Reportage vom 25. April 2026
40 Jahre Kaleidophon: Avantgarde im Mühlviertel
Seit vier Jahrzehnten verwandelt sich das beschauliche Ulrichsberg einmal im Jahr in einen Treffpunkt der globalen zeitgenössischen Musik. Das Festival Kaleidophon feiert seine 40. Ausgabe und beweist eindrucksvoll, dass radikale Klangexperimente und ländliche Idylle keinen Widerspruch bilden.
Die musikalische Spanne der Jubiläumsausgabe reicht von der klanglichen Tiefe des Vienna Reed Quintetts in der örtlichen Pfarrkirche bis hin zu kompromisslosen Klang-Performances im altehrwürdigen Jazzatelier. Hier, zwischen uralten Holzstühlen und familiärer Kantine, zelebrieren Künstler wie das Trio „Waschtag“, Kontrabassist Antti J. Virtaranta und das Quartett um Michael Foster die Extreme des Hörbaren. Es scheppert, Instrumente werden entfremdet, und industrieller Lärm verschmilzt mit meditativen Klängen.
Flankiert von Markus Hoffmanns Ausstellung „Sichtung“, positioniert sich das Kaleidophon als radikaler Gegenentwurf zur rasanten Taktung unserer Social-Media-Gegenwart. Musik wird hier nicht flüchtig konsumiert, sondern geduldig erarbeitet – ein mutiges Reservat für ein Hören, das noch ein echtes Wagnis darstellt.
Mein Artikel dazu wurde am 28. April in der PNP (Feuilleton) veröffentlicht.
Fotos und Video: Sebastian Ambrosius